Sonntag, 19. Februar 2017

Skiria - Am Berg der Drachen von Fran Rubin





Klappentext:
Die junge Frau Skiria lebt in dem Dorf Runa in Tragonien. Als sie unschuldig als Diebin verdächtigt wird, muss sie ihre Heimat überstürzt verlassen. Schutzlos irrt Skiria in den umliegenden Wäldern umher. Als sie in Gefahr gerät, eilt ihr ausgerechnet ein Drache zur Hilfe.

Doch der Drache Ramin kann nicht verhindern, dass Skiria von Drachenjägern entführt wird. Während Ramin verzweifelt versucht, den Magier Hazaar für ihre Rettung zu gewinnen, macht Skiria in der Hauptstadt Tragoniens Bekanntschaft mit finsteren Gestalten, die das ganze Land in Angst und Schrecken versetzen.

Skirias Schicksal führt sie schließlich zum Drachenberg, wo eine menschenhassende Drachenkönigin herrschen soll. Und auch dort gehen sonderbare Dinge vor sich...

Erhältlich im Shop der Autorin, bei Amazon, Google, sowie auf vielen anderen Internetplattformen


Leseprobe: 

Prolog


Nathael spürte einen Windstoß im Rücken, der sein Wams aufblähte, als zöge ein Sturm über das Weizenfeld herauf. Bis zu diesem Moment war es ein wolkenloser, windstiller Frühjahrstag gewesen. Doch nun war das Vogelgezwitscher, das die Feldarbeiten den ganzen Tag untermalt hatte, jäh verstummt.
Irritiert von dem Luftzug und der plötzlichen Stille ließ Nathael die Hacke sinken und sah hinüber zu seinen beiden Kindern, die ein wenig von ihm entfernt am Rande des Ackers standen.
Sein Sohn Janus schrie ihm etwas zu, doch Nathael konnte ihn nicht verstehen. Janus’ Schwester Skiria schlug die Hände vor den Mund, als sei sie Zeugin eines schrecklichen Vorfalles. Mit ausgestrecktem Arm deutete Janus schräg nach oben. Der Wind ließ Nathaels Hemd flattern.

Langsam drehte sich Nathael um und tastete dabei unwillkürlich nach dem Messer, das stets in seinem Hosenbund steckte. Er bereitete sich auf einen Kampf vor. Wer immer ihn bedrohte, sollte kein leichtes Spiel haben. In den vielen Jahren seines Lebens hatte er mehr als einmal bewiesen, dass ihn keiner so leicht besiegen konnte. Diebe und Raufbolde hatte Nathael zur Genüge in die Flucht geschlagen.
Doch hinter ihm stand kein Gauner, der nach seinem Hab und Gut gierte und auch kein streitlustiger Trunkenbold. Ein Schatten fiel auf ihn, als verdunkele eine Wolke die Sonne. Er blickte nach oben. Was Nathael dort sah, ließ ihn für einen Moment an seinem eigenen Verstand zweifeln.

Er hatte von diesen Geschöpfen gehört, die Geschichten darüber jedoch stets für baren Unfug gehalten. Unsinniges Geschwätz besoffener Männer, die sich wichtig machen wollten.
Das Ungeheuer stand mehrere Armlängen von ihm entfernt in der Luft und wartete scheinbar einen günstigen Augenblick ab, um von dort herabzustoßen. Sein Flügelschwingen fachte ihm kühle Luft zu. Nathael fröstelte. Für einen Moment empfand er Faszination. Nie zuvor war ihm etwas derart Schreckliches begegnet, das gleichzeitig eine so vollkommene Schönheit ausstrahlte. Die Sonnenstrahlen ließen die grauen Schuppen des Drachen grünlich schillern.
‚Wie Smaragd’, dachte Nathael und wunderte sich, welche Gedanken ihm durch den Kopf schossen, während er sich in Lebensgefahr befand. Gegen die monströsen Klauen des Ungetüms wirkte Nathaels Messer beinahe lächerlich. Aus scheinbar weiter Ferne drangen die Rufe der Kinder an sein Ohr.

Als der Drache herabstieß, rannte Janus los, um seinem Vater beizustehen. Nathael warf sich in eine Ackerfurche, um den Krallen zu entgehen, die sich wie Krummdolche aus den Pranken des Ungetüms bogen, doch sie erwischten ihn an der Schulter. Wie mit einem unsichtbaren Pinsel gemalt, breiteten sich auf Nathaels Gewand rote Spuren aus. Schreiend zuckte er in den Fängen des Ungeheuers, das Flügel schlagend darum kämpfte, mit seiner Beute in die Luft zu gelangen.
Während Skiria wie erstarrt Nathaels Martyrium verfolgte, erreichte Janus seinen Vater zu spät. In der Hoffnung, der Drache stiege so langsam auf, dass er Nathaels Beine noch greifen und ihn befreien könne, streckte der Sohn verzweifelt seine Arme aus. Sie verfehlten ihr Ziel um Längen.


Vita:

Fran Rubin ist das Pseudonym der Autorin Ingrid Mayer, unter dem der Fantasy-Roman ‚Skiria – Am Berg der Drachen’ erschienen ist. Fantastisch angehaucht sind auch ihre Kinderbücher und Kurzgeschichten für Erwachsene.
Außerdem schreibt sie Fachbücher, vor allem über Wildkräuter – neben dem Schreiben die zweite Leidenschaft der Autorin.

Sonntag, 29. Januar 2017

Kriegertod von K. A. Winter



Klappentext

Der vierzehnjährige Ben hängt meist vor dem Computer oder kämpft als Wikinger beim Rollenspiel im Wald. Als sein Vater lebensbedrohlich erkrankt, läuft für Ben alles aus dem Ruder. Er fühlt sich wie ein winziges Staubkorn, das haltlos durch das Universum schwebt. Er kann mit den gesellschaftlichen Normen des friedlichen Todes nichts anfangen. Ben sucht Trost und Antworten in der heidnischen Wikingerwelt und nur sein sterbenskranker Vater scheint zu verstehen, was ihn bewegt. Die Situation wird immer auswegloser, bis Ben die gleichaltrige Neri trifft, die ihm völlig unvoreingenommen und unkompliziert zur Seite steht und Ben hilft, sein eigenes Ritual zu finden, um von seinem Vater Abschied zu nehmen.
Erhältlich bei Amazon


Leseprobe - Kapitel 1

In diesem Sommer spielte ich World of Warcraft und traf mich mit meinen Freunden beim Rollenspiel im Wald. Wir hatten unseren Wald Ravneskoven getauft – Rabenwald - und teilten ihn mit dem Schwarzfolk.
Wir bauten wochenlang einen Schutzwall um unser Dorf, um uns vor den Angriffen der Jöten zu schützen, die in der letzten Zeit nahezu unerträglich geworden waren. Irgendwie mussten wir sie wieder nach Jotunheim zurückdrängen. Wer weiß, was sie von uns wollten.
Ich vergaß nie am Ende des Tages, Thor ein Opfer zu bringen. Thor, dem Donnergott, dem Beschützer von Midgard, der Welt der Menschen. Eindeutig mein Lieblingsgott.
Aber meine Opfer waren nicht genug gewesen. Meinen Vater konnte ich damit nicht retten. Aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Der Wald war sonnenwarm und trocken. Es roch nach Kiefern. Die schönste Jahreszeit. Ich hatte mein Kettenhemd abgelegt. Es war beim Holzhacken nur hinderlich. Wenn wir nicht kämpften, mussten wir arbeiten. Ohne Holz kein Feuer. Ohne Feuer kein warmes Essen. Die Welt hier war einfach und erträglich. Ich schwang die Axt über meinem Kopf und schlug den Scheit, der vor mir lag, in zwei Stücke. Sie fielen rechts und links vom Schlagblock auf den Waldboden. Langsam nahm ich das nächste Stück Holz in die Hand und schaute auf.
Jolan schlenderte gemächlich auf mich zu. Er war erst elf und ein Wikinger, wie ich. Jolan war neu im Rollenspiel und ich hatte ihn unter meine Fittiche genommen. Mit meinen vierzehn Jahren war ich hier ein alter Hase und erfahrener Krieger.
„Sei gegrüßt, Jolan“, sagte ich und legte das Stück Holz auf den Baumstumpf, den wir als Hackblock benutzten.
„Hallo Ragnar, darf ich auch mal Holz hacken?“
Mein wirklicher Name war Ben, aber der passte hier nicht rein. Deshalb nannte ich mich Ragnar. Jolan hieß einfach Jolan. Sein Name war cool. Er hatte ihn nicht geändert. Trotzdem war er erst elf. Durfte er überhaupt schon eine Axt in die Hand nehmen? Ich hörte die Stimme meiner Mutter im Kopf: Aber Benny, einem Elfjährigen kannst du doch keine Axt in die Hand geben. Hast du denn gar kein Verantwortungsgefühl?
Das Horn des Königs rettete mich. Lang und laut klang der dumpfe Ton durch den Wald. Schluss für heute. Ich packte zusammen. Jolan war enttäuscht.
„Du kannst mir beim nächsten Mal helfen, die Scheite am Versammlungshaus aufzustapeln.“
 „Okay, ich würde aber lieber Holz hacken.“
Ich nickte. „Wir fragen das nächste Mal den König. Dann kann er entscheiden.“ Ich legte meine Axt zur Seite und wir trotteten zur Schmiede, wo sich die anderen schon versammelt hatten. Siebzehn Wikinger standen auf dem Platz, Seite an Seite mit den Jöten, die ihre Gesichter grün geschminkt hatten und Hörner auf dem Kopf trugen. Wir hatten auch einen Troll dabei. Ein komischer Kerl, fast zwei Meter groß und nicht sehr gesprächig. Er knurrte uns nur meistens an, aber wenn wir ihn in Ruhe ließen, war er friedlich. Bei ihm wusste man nie, auf welcher Seite er gerade war. Mal kämpfte er mit uns, aber meistens schlug er sich auf die Seite der Jöten. Der König ließ ihn, denn wie er sagte, waren Trolle selten geworden, fast schon ausgestorben und wir wollten ihn nicht vertreiben. Der König dankte uns allen für unseren Einsatz heute und ermahnte uns, unseren Müll einzusammeln.
„Dann bis zum nächsten Wochenende. Wir sehen uns mit ungebrochenem Kampfgeist. Möge Odin mit euch sein.“
„Odin!“, brüllten wir. Dann packten wir zusammen. Für heute war Schluss.
Mit meinem Schwert und Schild auf dem Rücken radelte ich in voller Montur heim. Der Tag war lang gewesen und es dämmerte bereits. Aber zuhause hatte ich nichts versäumt. Mein Vater lag wie gewohnt auf dem Sofa und sah sich die Sportschau an. Er hob kurz die Hand, als er mich hereinkommen sah. Ich lehnte mein Schwert und Schild an die Wand und ließ mein Kettenhemd zu Boden fallen. Meine Mutter öffnete die Küchentür und sah mich missbilligend an.
„Benny, muss denn immer alles auf dem Boden landen?“
„Mach ich später“, war meine Standardantwort. In fünfzig Prozent der Fälle wirkte es und meine Mutter würde später selber die Sachen wegräumen.
„Naja, ist gut“, sagte sie. „Komm doch mal in die Küche. Ich muss mit dir reden.“
„Kann das nicht warten? Ich wollte noch kurz an den Computer.“
„Es ist wichtig“, antwortete meine Mutter.


Vita K. A. Winter

Hoch oben im Norden, an der Spitze Dänemarks, dort, wo es im Sommer niemals richtig dunkel wird, lebe ich mit meiner Familie und unserem Hund Lucy, die uns alle ständig auf Trapp hält.
Geboren und aufgewachsen bin ich in Berlin. Nach meinem Studium bin ich nach Dänemark ausgewandert und wohne jetzt in der beschaulichen Kleinstadt Hjørring, die nur wenige Kilometer von der Küste entfernt ist.
Dort gibt es endlose Sandstrände und herrlich naturbelassene Wälder, die ich oft und gerne mit Lucy durchstreife. Die besten Ideen zu meinen Büchern bekomme ich auf diesen Spaziergängen und auch meine Kinder sind eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration.
Wenn ihr auf eines meiner Bücher neugierig geworden seid, freue ich mich und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Sonntag, 22. Januar 2017

Jamil und die Schwerkraft von Jan Viebahn








„Jamil und die Schwerkraft“, eine Kurzgeschichte über den Tod, die Liebe, Mut und die Chancen, die sich daraus ergeben können.

Lange Rede, kurzer Sinn: Man muss was tun. Seit Mai 2016 gehen 25% der Verkaufserlöse aus allen meinen Büchern an Ärzte ohne Grenzen.
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe

Ein drückend heißer Freitag im Sommer 2015 in Bonn. Jamil war 14 und im Vorjahr aus Syrien
nach Deutschland geflohen. Nun saß er gedankenverloren im Klassenzimmer der Hauptschule, in
die er seit Kurzem ging. Seine Deutschkenntnisse waren nicht allzu gut, er hatte nie ein Talent für
Sprachen gehabt.
Herr Müller, der Klassenlehrer, saß hinter seinem Pult und forderte die Schüler der Reihe nach auf,
ihre Hausaufgaben, einen Aufsatz über Goethes Leben, vorzulesen. Er war ein mürrischer alter
Mann. Einer, der keine Jugendlichen mochte und übertrieben streng mit Strafen war. Außerdem
konnte er Jamil aus irgendeinem Grund besonders schlecht leiden.
Als der Krieg in ihre kleine Heimatstadt kam, waren sein Vater, seine Mutter, sein kleiner Bruder
und er geflohen. Jamil erinnerte sich genau an die Worte seines Vaters: „Hier haben wir keine
Zukunft mehr. Wir müssen weg, nach Europa, vielleicht nach Deutschland. Dort können wir neu
anfangen.“
Auf dem Weg nach Norden in die Türkei begegneten sie einem Trupp Söldner. Die wollten, dass sein
Vater für sie kämpft, es waren Männer des Warlords, der diese Gegend beherrschte. Sein Vater
hatte sich geweigert, er versuchte ihnen klar zu machen, dass sie nur weg wollten und er bei seiner
Familie bleiben müsse. Sie hatten ihn mit Pistolen bedroht, doch er flehte sie auf Knien an, sie
gehen zu lassen. Da hatten sie ihn einfach erschossen und auf seinen Leichnam gespuckt.
Jamil sah immer noch seinen Vater vor sich, wie er mit weit vor Schmerz und Erstaunen
aufgerissenem Mund im Wüstensand lag.
Er hätte nicht gedacht, dass es hätte schlimmer kommen können. Seine Mutter hatte zum Glück das
Geld für den Schlepper gut versteckt, und so ging es von der Türkei aus nach Griechenland,
nachdem sie den beschwerlichen Weg zur Küste geschafft hatten.
Kurz vor der Küste Griechenlands ermahnte die Mannschaft die Flüchtlinge, still zu sein, damit die
Küstenwache nichts mitbekäme.
Die Stimmung war äußerst drückend. Das verstand Jamils kleiner Bruder nicht, er war erst zwei
und spürte, dass seine Mama Angst hatte. Er fing an, nach Leibeskräften zu schreien.
Sofort war einer der Schlepper bei seiner Mutter, riss ihr brutal das Kind aus den Armen und
schlug sie nieder. Den Kleinen warf er im hohen Bogen ins Meer. Seine Mutter rappelte sich
blitzschnell hoch, kreischte verzweifelt auf, als die Wellen über ihrem Sohn zusammenschlugen und
sprang so schnell hinterher, dass niemand sie hindern konnte.
Auch Jamil war aufgesprungen und wollte den beiden ebenfalls nach, doch einige Flüchtlinge
hielten ihn fest.
Die Schlepper bedrohten sie nun mit Maschinengewehren und trieben sie weg von der Reling. Ihren
Mienen nach war klar, dass sie keinen Spaß verstanden und nicht zögern würden, zu schießen. Sie
zwangen die Übriggebliebenen barsch, sich wieder zu setzen und still zu sein.
»Jamil!«, riss Lehrer Müllers tiefe Stimme ihn aus seinen quälenden Erinnerungen. Er schrak auf.

Jan Viebahn, der Autor hinter Yrangir, ist Fantasy- und Science-Fiction-Fan. Er steht auf Heavy Metal genau so wie auf Blues. Sein erstes Buch gab er 2012 heraus. Es trägt den Titel "Schwarzes Licht" und ist das erste seiner Yrangir-Bände. 2014 folgte "Erkar Bodin", Yrangir Band 2. Seit 2013 versucht er sich auch an satirischen Texten. Siehe "Das Handbuch der Dämonenkunde", das 2015 erschien und www.yrangir.de.


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